
DAMIA BENKHOUYA
Zur Person:
Damia Benkhouya wurde 1954 als Tochter eines gewerkschaftlich organisierten und feministisch orientierten Arbeiters geboren. Sie stammt aus dem marokkanischen Süden, aus Rehamna, einer der ärmsten Regionen des Landes. Ihr Vater ermunterte sie schon in ihrer Kindheit zur Lektüre der grossen arabischen Autoren wie des Ägypters Taha Hussein oder von Jabran Khalil Jabran. Sie beendete ihr Studium der Arabistik 1978 mit dem Lizentiat und schloss ihre universitäre Ausbildung zwei Jahre später mit einem Diplom der Fakultät für Informatik ab. Gleich anschliessend begann sie im Lycée Omar Ibn Khayyam n Rabat arabische Literatur zu unterrichten. Sie ist Mitglied und Präsidentin der 1992 gegründeten "Association marocaine des droits des femmes".
Im Gegensatz zur älteren Generation von nordafrikanischen Feministinnen schreibt sie als Exponentin der jüngeren Generation, obwohl des Französischen mächtig, auf Arabisch. Die Generation Benkhouyas ist radikaler ist als die vorherige, die sich noch vor allem in westlichen Sprachen ausdrückte. Diese neuen Feministinnen verankern ihre Forderungen im arabisch-islamischen Erbe. So lösen die Interventionen von Damia Benkhouya im marokkanischen Fernsehen immer ein ausserordentliches Echo aus, weil sie sich in ihrem Kampf gegen ein Rechtssystem, das Frauen nicht schützt, einer doppelten Argumentation bedient: Zum einen beruft sie sich auf moderne Rechtsnormen, zum Beispiel auf die UNO-Konventionen, zum andern auf islamische Gesetzestraditionen. In diesem flexiblen Verknüpfen liegt die Stärke der Exponentinnen der jüngeren Frauenbewegung, zu denen Damia Benkhouya gehört. Sie ist eine der Gründerinnen der Zeitschrift "8. März", der es gelungen ist, die politische Agenda umzukrempeln. Die Redaktionsmitglieder gingen auf die Strasse und sammelten rund eine Million Unterschriften von Frauen und Männern für die Forderung nach Abschaffung der Polygamie und anderer Gesetze der Scharia. Die religiösen Autoritäten des Landes, überrascht vom direkten Appell der Frauen ans Volk, reagierten mit deren öffentlicher Verurteilung durch Fatwas. Der König von Marokko persönlich sah sich genötigt, im Konflikt zwischen den Frauen und religiösen Autoritäten zu vermitteln, ein klares Indiz für die Bedeutung der innovativen Ideen der Frauen um Damia Benkhouya.
Letzte Publikationen:
"Le Crime du Viol au Maroc: Analyse des Dossiers des Tribunaux", dar al qalam 2001.
"Danse de l'eau et de la blessure (recueil de poèmes)", édition fennec 2000.
